Wieder mal auf Reisen

von 12 Okt 2020Jeremie Project Congo, Reise

2020 14.Okt

Von 5 auf 3 Koffer reduziert – das tut irgendwie gut 🙂 Mit viel Stopfen passen sogar alle Geschenke für die deutsche Heimat rein: Kiloweise Sambaza, eigene Avocados und selbstgemachte Erdnussbutter! Danke an die tollste Familie in Bukavu.

Um 06:15 sind wir ohne viel Stau am Hafen in Bukavu angekommen. Ich meinte AM. Denn es dauerte ewig, bis wir IM Hafen waren und das Schiff in Sicht hatten: uns kamen gefühlt Millionen Autos, Menschen, Motrorräder, Träger, die sich ankündigten, unsere Sachen tragen zu wollen und Träger, die schon Sachen tragen (unter anderem eine halbe Kuh….) und Passagiere des angekommenen Schiffes entgegen. Warum auch immer (weil der Pastor (mein Schwiegerpapa) connections hat?) dürfen wir mit unserem Auto in den Hafen reinfahren, 10m vom Schiff entfernt. Uns begrüßt die lauteste Partymukke, die man sich vorstellen kann – Werbung für das Schiff. Es ist schrecklich. Wir finden einen schönen Platz im Schiff, wo unsere Koffer hingebracht wurden und die Musik erträglich ist. Dennoch versteht man kaum sein eigenes Wort 🙁
Ich liebe Schiff fahren, das Rauschen der Wellen, die unglaublich frische Seeluft und die schöne Natur – wir fahren eine der weltweit größten Inseln in einem See entlang: Idjwi. Nach 6h Fahrt kommen wir gut in Goma an.

Hier “trifft” Patrick alte Bekannte, die schon oft seine Koffer getragen haben und einen “Kaka” (Bruder), der Taxifahrer ist, und uns zum Flughafen bringt. Hier ist Maskenpflicht. Aber einen Rückspiegel hat das Auto nicht…. In Goma ist der Verkehr schneller, weil es keine Berge in der Stadt gibt, daher noch gefährlicher. Wie gut, dass ich nicht fahren muss.
Der Flughafen ist mitten in der Stadt. Und hier geht’s…… nach 8h Reise jetzt erst richtig los. Uns wird von den Trägern die Koffer fast aus der Hand gerissen, jeder will nen halben Dollar verdienen. Patrick musste hart reagieren, da wir noch gar nicht in den Flughafen rein wollten. Der “Terminal” ist ein relativ kleines Haus. Unsere Pässe und Covid-Tests wurden beim Eintritt von 2 verschiedenen Personen gecheckt – ab jetzt müsst ihr mitzählen…. 
Vor einem Gerät, das aussieht wie ein Scanner deutet mir eine Frau an, etwas mit meinem Tragegurt und Baby zu machen. Ich verstand nichts und dachte ich soll sie auspacken, denn auch hier drin könnte man ja Bodenschätze versteckt schmuggeln. Nein, sie wollte, dass ich das Baby bedecke, denn plötzlich wurde ich mit Seifenwasser zur Desinfektion besprüht. Hände nochmal extra – das war die dritte Station. Weiter rechts wurde unser Gepäck gescannt (4). Aber keiner schaute sich den Bildschirm an. Dann stand ein Tisch mitten im Weg mit zwei Personen sitzend, einer stehend (5). Durcheinander bezüglich Anstehen, und zwischenzeitlich wurde Unmengen Papiere angeschaut, uns zum ausfüllen gegeben und mindestens 3x wurde mir angeboten mich mit Baby zu setzen, was ich nicht wollte. Aber die Kongolesen lieben Kinder und wir wurden als höchste Priorität behandelt! Am Check-in (6) hinter dem Tisch ging es weiter: es gibt dort keinen Computer, alles manuell, die Frau musste immer wieder weg laufen um woanders unsere Boarding Pässe auszudrucken. Die Koffer musste Patrick (nach Abgabe) wieder aufschließen, weil wir ein Papier mit der Zieladresse reinstecken mussten. Patrick lief also hinter den Schalter zu unseren Koffern. Derweil setzte uns die Frau auf andere Plätze, da das Flugzeug so voll war und wir mit Baby “mehr Platz haben sollten”…. Naja, wäre wenn….
Dann ging es zum Bezahlen (7), das ist das seltsamste überhaupt. An einem kleinen Haus im Haus muss man den “Go-pass” bezahlen. Bei nationalen Flügen 10$, wir 50$ – oh, nein, dieses Jahr 55$. Unsere Pässe wurden auch erneut gecheckt, wir haben ja 3, mussten 55$+55$ bezahlen, freuten uns, dass Baby endlich mal “billiger” fliegt als wir, und immer wieder wird erstaunt bemerkt, dass die “Muzungu” (Weiße Frau) den gleichen Nachnamen wie ihr Mann trägt…. Dann geht es durch eine Tür in einen anderen Raum. An der Tür die nächste (8) Passkontrolle. Dann zu einem Tisch “Sante” (Gesundheit)- Nummer 9, hier wurden unsere Impfausweise gecheckt. Aber nur der Ausweis des Babys sei echt… What?? Wir sind Ärzte und arbeiten hier… zur “Sicherheit” mussten wir ins nächste Büro (10), man könnte sich echt aufregen, vor allem, wenn man nix versteht und Patrick bestätigen kann, wie er geimpft wurde. Aber wir könnten an Tisch Nr 9 auch einfach eine Geldsumme hinterlassen, dann könnten wir uns Nummer 10 ersparen….. Nicht. Aber 10 ist direkt neben 11: hier ist Immigration (zumindest eine davon), hier wurde gecheckt, ob unsere Namen auch auf der Fluggastliste steht.
Nebenbei musste ich mal stillen, Nr 12 (um die Ecke Richtung Warteraum) konnte Patrick alleine erledigen. Wieder eine Immigration: hier wurde ein Stempel in unsere Pässe gemacht: wir verlassen DR Kongo. Am nächsten Tisch (13) wurde unser Handgepäck “gecheckt”. Eine Frau meines (auf – zu), ein junger Mann das von Patrick… er meinte aber, wir hätten keine Zeit mehr, Patrick solle ihm einfach etwas Kleingeld geben… nicht…
Nach wirklich kurzer Wartezeit ging es los: aus dem Haus raus, direkt aufs Rollfeld – ach nein, doch nicht, denn hier wurden Boarding Pass und Pässe wieder gecheckt (14) und  ein Officer bemerkte, dass wir nur 2 Mal den “Go-Pass” bezahlt haben. Patrick platze fast der Geduldsfaden, bisher bezahlten Kinder nichts. Ich hatte schon Horrorvorstellungen, dass Babies nicht über die Grenze gebracht werden können (so haben wir es vor 2 Jahren erlebt), weil ich ja nichts verstand von der Diskussion. Gleichzeitig fing es an zu regnen, ich bekam von einem Mann einen Regenschirm in die Hand gedrückt und alle kleinen Papierchen von den Stationen vorher fielen fast aus dem Pass raus…. dann musste ich was von Patrick abnehmen und er meinte nur: geh ins Flugzeug, ich erledige das (er musste zurück zu Nummer 7 und für Babygirl nochmal 55$ bezahlen, denn die Gesetze hatten sich geändert, es bleibt einem nichts anders übrig, als das zu glauben. Online findet man das nicht …. Und dabei läuft sie doch nichtmal mehr), naja, einfach verdientes Geld. Ach und nebenbei: Es wurde angedeutet, einfach hier bei Nr. 14 20$ zu lassen… wäre billiger für uns…. nein.
Ich war etwas aufgebracht, hatte viel zu viel in der Hand, gab den Regenschirm zurück und bin einfach los gelaufen. Alle riefen mir hinterher, anzuhalten, aber das war mir ganz egal, weg hier. Ein Mann mit einem riesigen Schirm kam mir dann vom Flugzeug entgegen und geleitete mich hoch. Die Stewardess fragte, wo mein Platz sei, keine Ahnung. Und den Boarding Pass konnte ich in dem Haufen der Dokumente gerade nicht finden, aber ich hatte verstanden, was die Frau bei Nr. 6 erklärt hatte. Dort lief ich hin und checkte in Ruhe den Boarding Pass. Platz war hier keiner, aber der Flug auch nur 2,5h.
14 Kontrollen…. Ein Mann meinte: immerhin haben viele Leute einen Job. Ohne eine Miene zu verziehen kommentierte Patrick: 

“My country is soooo secure”

2020 12.Okt

Und wieder heißt es Abschied nehmen – und sich freuen, auf das was kommt – es geht weiter, in unserem Leben in Deutschland, der Zukunft entgegen – und es geht hier weiter. Wir sind unglaublich DANKBAR für das, was in den letzten 6 Wochen hier geschehen ist, was gebaut wurde, welche Freundschaften geschlossen wurden und DANKBAR für die, die hier unter dem Vereinsnamen JENGA TUMAINI so hart arbeiten. Es sind Menschen, die sich das Projekt zu eigen gemacht haben, die den gleichen Glauben teilen, die Menschen lieben und sie in der Zukunft unterstützen wollen. Es sind Menschen, die nicht viel haben, aber sie geben viel: besonders ihre ZEIT. Ich gehe nicht gerne, ich gehe aber auch gerne. Denn ich weiss: die Arbeit wird hier weiter gehen, ob ich hier bin oder nicht, und wir können uns aufeinander verlassen – das ist viel viel wert. Jetzt treten wir dann unsere 24-stündige Heimreise an! Boot – Flugzeug – Flugzeug

und was dann kommt, werdet ihr immer wieder in diesem Blog lesen können – es wird nicht weniger spannend – bleibt mit uns und dem Projekt verbunden – es lohnt sich!!!!

bis bald in Deutschland – Tutaonana Bukavu

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